Louises Traum oder where the f*ck is Kurt Weill?
ein Musiktheater von Ingala Fortagne und Georg Darvas
INHALT
Die Sängerin Louise träumt, kurz vor ihrem Auftritt, dass sie mit dem Komponisten Kurt Weill zum Vorsingen verabredet ist. Er war nicht im Theater, also sucht sie ihn in seinem Wohnhaus in Kleinmachnow, in Berlin. Sie will unbedingt die Rolle in seiner Oper "Der Silbersee". Aber statt Weill trifft sie nur seine Haushälterin Erika. Es ist März 1933. Louise gibt nicht auf und folgt dem Komponisten als seine Frau Lotte Lenya nach Paris und New York ins Exil.
Durch Sounds und Klänge, die auf geheimnisvolle Art und Weise erklingen und auf die Louise mit passenden Liedern reagieren kann, erfahren Sie auf unterhaltsame Weise viel über das Leben Kurt Weills und die Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Heute, 100 Jahre später, scheinen wir uns bereits wieder an Krieg zu gewöhnen. Aber im Gegensatz zu den KünstlerInnen des vergangenen Jahrhunderts, ist die Haltung heute nicht eindeutig. In einer Wohlstandsblase, die zu platzen droht, tanzen wir auf einem Vulkan und sind ratlos, wie wir uns künstlerisch positionieren sollen.
Rückblickend auf diese Zeit wollen wir zeigen, dass alles, was die europäische Zivilisation entwickelt hat, ein organisches Ganzes ist und sich das Vergangene vom Gegenwärtigen nicht trennen lässt. Bevor wir vollkommen in einer virtuellen Welt verloren gehen, möchten wir einen Traum der europäischen musikalischen Bühnenkunst aufleben lassen, der uns erinnern kann, wieviel Grösse und Persönlichkeit ab 1933 durch Emigration und Vernichtung verloren ging und welche Wunden dies in unserer Gesellschaft hinterlassen hat- von denen wir fälschlicherweise glauben, dass sie
geheilt sein könnten. Kurt Weill hat seine eigene Klangsprache und doch nimmt er die musikalischen Eigenheiten seiner Exilländer auf und erschafft Lieder, die, neben der Melancholie und Tiefe, auch voller Leidenschaft und Beschwingtheit daherkommen.
Stückdauer 70min
PRESSE
«Eine großartige, kleine Inszenierung. … Das liegt zum Teil an Weills Kompositionskunst, zum großen Teil aber an der Präsenz und Stimme von Ingala Fortagne, die in einer Doppelrolle die heutige Louise und die damalige Ehefrau von Kurt Weill, Lotte Lenya, spielt und singt. Klar und gefühlvoll interpretiert sie die weithin bekannten Songs, aber auch die ruppigen Partien zwischen hohem Opernton und Sprechgesang gelingen ihr hervorragend. ...Das Besondere an der Inszenierung liegt in der sparsamen, aber sehr effektvollen Verwendung von Requisiten und vor allem im Sounddesign… Das Stück bleibt aber keineswegs beim Biografischen stehen, sondern zeigt Parallelen auf zu heute, ohne zum Polit-Theater zu werden. …Langer Applaus.» (Badische Zeitung/Juliane Eiland-Jung)
«… ein unkonventioneller, mitreißender Einblick in das Schaffenswerk und das Gefühlsleben des Komponisten und Menschen Kurt Weill. …Dabei schlüpft Ingala Fortagne in verschiedene Rollen, wie Weills Mutter an einem Shabbat-Abend in Dessau oder Weills große Liebe und Ehefrau Lotte Lenya. Als letztere lassen der ergreifende Gesang sowie das Schauspieltalent von Fortagne die Zuhörer alle Höhen und Tiefen der Beziehung miterleben. Fortagne setzte ihre Stimme nuanciert, kraftvoll oder zerbrechlich ein und nahm die Bühne gepaart mit ihrer Präsenz für sich ein. Der Soundartist Marquis McGee dreht in Louises Traum im wahrsten Sinn des Wortes am Rad der Zeit. …und brillierte als Broadway-Saxophonist mit einem einfühlsamen Solo. Komplettiert wurde das Terzett durch die Pianistin Nadia Belneeva – auch sie in verschiedenen Rollen. …Mit ihrer Situationskomik verstand die schauspielernde Pianistin, das Publikum für sich zu gewinnen….» (Laarer Zeitung/Silvia Schillinger Teschner)
«Obwohl er ein breites eigenständiges Werk schuf und in seiner letzten Lebenszeit am Broadway berühmt wurde, stand er oft im Schatten von Bertolt Brecht, für den er allerdings einige unsterbliche Kompositionen schrieb: Kurt Weill. Kurz vor der Machtergreifung der Nazis konnte er noch seine Schauspieloper «Der Silbersee – Ein Wintermärchen» einige Male aufführen, aber am 4. März 1933 wurde sie abgesetzt. Dieses Datum und das Stück spielen auch eine Rolle … So erfährt man einiges über jene zerrissene Epoche und ihre enormen kulturellen Verluste… « (aus «Traum und Traumata» von Dagmar Brunner, PROZ, Basel)
BESETZUNG
- Spiel, Gesang - Ingala Fortagne
- Spiel, Klavier - Nadia BelneevaSpiel
- Sounds, Saxophon - Marquis’McGeeText
- Regie - Georg Darvas
- Kostüme - Giulia Marcotullio
- Licht - Heini Weber
- Regieassistenz - Abdulkerim Köse
- Produktionsleitung - Irene Kupferschmid
Aufführungen
- Raum für Kultur H95, Basel, CH
- Theater Palazzo, Liestal, CH
- Neues Theater, Dornach, CH
- Kultur Synagoge Kippenheim, D
- Schauspielhaus Leipzig, D